NACHT UND TAG

       
Auf leisen Sohlen eilet sie herbei,
sie verhüllt des Vaters Antlitz und teilt die Welt in zwei.
Behutsam geleitet sie die Mutter an ihren Platz,
um zu offenbaren deren Schatz.
 
Leise stimmt sie an ihr Lied zur Ruh,
ihr Ruf ertönt und holt die Brüder sowie Schwestern sanft hinzu.
Horcht, ein ängstlich Wimmern stört den Gesang,
es ist ein Kind, man hört’s am Klang.
 
„Mein holdes Kind, lass mich erhellen deinen Pfad mit meinem fahlen Licht,
sodass du meine Tochter brauchst, fürchten länger nicht.
All meine Kinder sollen für dich funkeln,
damit nicht länger du weilst allein im Dunklen.“
 
„Nun eile geschwind du lieblich Kind,
bevor die Base und der Vetter bei uns sind.
Leg hinein dich in deinem Bette,
bevor des Bruders Kuss dich wieder wecke.“
 
Geschwister kommet her und funkelt helle,
sodass dies lieblich Kind finde seine Ruh mit Schnelle.
Ihr wisset, mein Bruder ist gar schnell zu gegen,
um uns erneut zu rauben unseren dunklen Segen.
 
„Wach auf du zartes Wesen,
meine Schwester ist′s gewesen.
Welche dir mit unserer Mutter, in Dunkelheit gehüllt,
den Kopf mit Träumen hat gefüllt“
 
„Sieh mein Vater naht mit großem Schritt,
und bringt die langersehnte Wärme wieder mit.
Sein Antlitz strahlt wie pures Gold,
sei gewiss, sein Segen ist dir hold.“
 
Hinfort mit dir du böse Base,
siehst du denn nicht das leuchtend grün vom Grase?
Dein dunkles Wesen erschrecket alle Welt,
gleichwohl dir dies sicherlich gefällt.
 
Mit deinen dunklen Bäuchen, prall gefüllt mit Himmelstau,
ziehst du heran deinen Bruder, den eitlen Pfau.
Gar garstig und voll Tücke ist mein Vetter,
ist′s er doch, der bestimmt den bösen Teil vom Wetter.
 
Rumpelnd und zuckend nähert er sich uns an,
selbst mein Vater kommt nicht an ihn ran.
Gemeinsam ihr zerstört sein Licht,
aber gewiss dies interessiert euch nicht.
 
Nun lass mein Werk mich hier vollenden,
um meiner Schwester den frühen Gruß zu senden.
Vorbei ist ihre Macht,
denn ich bin der Tag und sie die Nacht.